Der Eberndorfer Bürgermeister zum Ortstafelkonsens – Unterkärntner Psychose unter der Lupe
Wie ein Tritt in die Magengrube fühlt sich die Psychose jener Unterkärntner Irrläufer an, die wegen einer zweisprachigen Ortstafel in der Marktgemeinde Eberndorf in ihren Köpfen den sozialen Frieden eines Dorfes gefährdet sehen. Alle finden zum Konsens, nur der Bürgermeister von Eberndorf mit Krückenhilfe zwei weiterer Nachbargemeinden stilisiert sich zur letzten Bastion gegen einen sagen- und mythenumrankten, imaginären Täter und wird selbst zum Täter. Den verirrten Seelenzustand einiger weniger mitzuerleben, tut weh – heute wie gestern, aus der Nähe genauso wie aus der Ferne. Sveta Maria, hilf!
In Eberndorf, unserer ursprünglichen Heimatgemeinde, scheint das Ziel des amtierenden Bürgermeisters Dir. Oberschulrat Gottfried Wedenig (SPÖ) im Jahr 2011 zu lauten: Sei immer auf der Hut vor dem Bösen! Blicke keinesfalls nach Vorne, male dir möglichst eine negative Zukunft aus, schaffe keine Perspektiven für junge Menschen und vor allem: sei ja nicht auf Konsens und Lösung bei vermeintlich kontaminierten „Altlasten“ bedacht!
Na ja, eigentlich klingt es aus dem Mund des offiziellen Gemeindevertreters wie aus dem eines Osterhasen, der sich heimlich Schokolade(-tafeln) einverleibt hat und sich - übersehend, dass der Fasching bereits vorbei ist - zur Herdenmarionette einer blökenden, selbst verminten Schafrotte, stilisiert: „Eine Entscheidung für eine zweisprachige Ortstafel in Eberndorf ist wahrscheinlich nicht die richtige“, klingt es da unsicher, wohl in der Hoffnung nicht entlarvt zu werden. „Mir wäre es lieber, die Tafel würde so bleiben, wie sie ist, weil ich sonst um den sozialen Frieden in der Marktgemeinde fürchten müsste“ so Wedenig im Report-Interview.
Herr Bürgermeister Wedenig!
Als Mathematiker können Sie sich ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines wiederholten Ortstafelsturms ist. 0,1-0,9% vielleicht? Ihre Befürchtungen treten aber sicherlich eher ein, je vehementer Sie mit Ihrem Standpunkt die Sturmgelüste einiger weniger Männer nähren. Wir stellen uns folgendes Szenario vor:
Mit einem Häufchen Ihrer Kumpanen – die in der SPÖ gängige Bezeichnung „Genosse“ passt hier unserer Meinung nach nicht, da zu international ausgerichtet - sitzen Sie im Gasthaus am Kirchplatz und spielen bei ein paar Bier und einem Stamperl Schnaps gedanklich die Folgen bereits aufgestellter, zweisprachiger Ortstafeln durch. Nach dem zehnten Bier heißt es dann: „Burschen kommt, wir rücken aus, wir lassen uns das nicht gefallen.“ … eine Horde pensionierter Eberndorfer unter der Führung des Bürgermeisters schwingt sich ins Feuerwehrauto und düst zum Eberndorfer Ortseingang. Vor der Ortstafel stehend, muss der Bürgermeister jedoch erkennen: „Es tut gar nicht weh, die Ortstafel in zwei Sprachen zu lesen, aber weg muss sie trotzdem. Denn wen können wir sonst für unsere Ängste verantwortlich machen?“
„Slowenisch sprechende Dorfbewohner brauchen keine Wertschätzung, denn sie sind gefährlich. Sie sind eine große Bedrohung und der Grund allen Übels. Sie werden uns alles nehmen, was wir haben, vor allem unsere deutsche Sprache, uns in die Enge treiben, uns unsere „Heimat“ rauben, wir werden gepeinigt und erniedrigt, vollkommen macht- und rechtlos sein. Dazu dürfen wir es nicht kommen lassen!“ So oder so ähnlich versuchte die Welt der Erwachsenen uns unfreiwillig deutschnational sozialisierten Kindern in den 1970iger Jahren die slowenische Minderheit als Problem ins Gehirn zu ritzen. Von klein an kennen wir diese postfaschistische Inszenierung und Zelebrierung böswillig konstruierten Schauders, der sich mit einer kleinen Prise Realitätssinn schon längst in Luft aufgelöst hätte. Aber dazu wäre etwas Selbstreflexion und Weitblick notwendig. Solch hehre Tugenden sind allerdings innerhalb der Eberndorfer Ortsgrenze wohl nicht auffindbar, oder? Stattdessen findet sich bei jedem Kreisverkehr Misanthropie, Phobien jeglicher Art sowie Missgunst. Wir geben die Hoffnung aber nicht auf, dass die neuen Kreisverkehre auch in Eberndorf so gebaut werden, dass sie ethischen Grundsätzen entsprechen.
Bereits im Alter von zehn Jahren haben wir uns die Frage gestellt und zu begreifen versucht, warum „Dobrla vas“ auf eine Ortstafel geschrieben eine große Gefahr darstellen und Angst einflößen soll, warum unsere Mutter mit allen Mitteln verhindern wollte, dass wir an einer zweisprachigen Erstkommunion teilnehmen, warum es verboten sein sollte, ein slowenisches „Vater unser“ zu beten und warum nur deutsche Kärntnerlieder gut seien. Mehrmals wurden etwa meine Schwester und ich um 23 Uhr vom „angetscherfelten“ Vater geweckt, um für seine angeheiterten Freunde „a schenes Kärntaliad“ zu singen. Viel Lob und Anerkennung haben wir da eingeheimst. Etliche Jahre mussten wir uns dann an den Hirngespinsten eines ausgemachten Minderwertigkeitskomplexes, der sich in Chauvinismus verkehrte, abarbeiten. Die Ängste in dieser Form blieben uns Gott sei Dank fremd, und doch waren und sind sie Teil unserer Identität. Erst viel später begannen wir, das alles als mutwillige Einschränkung unserer persönlichen Freiheit zu begreifen. Heute wissen wir, was wir damals nur intuitiv gespürt haben: da läuft etwas schief, da stimmt etwas nicht, das ist der falsche Weg und er ist nicht gerecht.
Lieber Herr Wedenig!
Dass Sie um den sozialen Frieden in der Marktgemeinde Eberndorf fürchten, tut uns Leid, aber lediglich für Sie. Vielleicht hören Sie endlich mit der furchtsamen Nabelschau eigener Schattenseiten auf, die keinesfalls repräsentativ für das Stimmungsbarometer der Bevölkerung ist. Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie viele Frauen und Kinder etwa Teil jener Stammtischkultur sind, die sich gestern wie heute selbstverständlich zur meinungsbildenden Mehrheit aufplustert?
Dass eine Auseinandersetzung folgt, wie sie im Report Interview nervös befürchten, ist nicht bedauerns- sondern wünschenswert! Stellen Sie sich endlich konstruktiv einem Konflikt, der von Ihnen selbst hervorgerufen wird. Setzen Sie sich ernsthaft mit der Sache auseinander und stellen Sie nicht Ihre eigenen Be- und Empfindlichkeiten in den Vordergrund. Darum möchten wir Sie eindringlich bitten!
Nur dann wird vielleicht auch Eberndorf ganz selbstverständlich zweisprachige Ortstafeln tolerieren. Als hätte ein wirtschaftliches Krisengebiet keine anderen Sorgen, als sich selbst Probleme zu schaffen und ins Abseits zu stellen.
Dr. Iris Mochar-Kircher & B.A. Verena Mochar-Untertrifaller & Dipl. Ing. Constance Mochar
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